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Graduiertenkolleg

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Ein Graduiertenkolleg ist ein Forschungsverbund, der auf eine befristete Zeit eingerichtet wird (maximal neun Jahre) und unter anderem das Ziel hat, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Doktoranden arbeiten in einem solchen Kolleg nicht als Einzelkämpfer, sondern werden in einem Team von Wissenschaftlern systematisch betreut. Mindestens einmal die Woche treffen sich die Beteiligten (bis zu 30 Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen) zu einem Kolloquium, in dem die jüngsten Ergebnisse vorgestellt und besprochen werden. Je nach Fach werden zusätzlich Firmenpraktika, Sprach- und Präsentationskurse, Methodenworkshops und Ähnliches angeboten.
Die ersten Graduiertenkollegs wurden 1990 mit dem Ziel einer besseren Strukturierung der Promotion nach angelsächischem Vorbild eingeführt, nachdem in den 1980er Jahren die Promotionszeiten immer länger geworden waren. Inzwischen gibt es nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) etwa 270 Graduiertenkollegs in Deutschland, über 6000 Doktoranden sind bereits in ein solches Kolleg eingebunden. Etwa zwei Drittel von ihnen erhalten ein DFG-Stipendium, die übrigen werden aus anderen Töpfen finanziert.
Tatsächlich konnte die Promotionszeit in den Forschungsverbünden gegenüber der klassischen Promotion verkürzt werden. Im Durchschnitt benötigen die Stipendiaten für ihre Promotion ein halbes Jahr weniger als Nicht-Stipendiaten. Bei Abschluss der Promotion sind sie zwei Jahre jünger als Doktoranden im Bundesdurchschnitt. Allerdings wird auch in den Graduiertenkollegs das Ziel, die Promotion in 36 Monaten zu schaffen, bislang noch nicht von allen Doktoranden erreicht.
Etwa 30 Prozent der derzeit existierenden Kollegs entfallen auf Lebenswissenschaften, also auf Biologie und Medizin, weitere 30 Prozent auf die Naturwissenschaften, wobei die Interdisziplinarität des Forschungsverbundes häufig auch solche groben Einteilungen überschreitet. An der LMU gibt es derzeit zehn Kollegs, vier davon mit medizinschem Schwerpunkt. Die Themen reichen von "Biologie menschlicher Erkrankungen" über "Vaskuläre Biologie in der Medizin" und "Funktionale Genomforschung in der Tiermedizin" bis zu "Oligonukleotide in Zellbiologie und Therapie". An der TU sind es drei Graduiertenkollegs, darunter das Thema "Signalverarbeitung im Gehirn: von Neuronen zu Netzwerken".
Die Graduiertenkollegs sind zu unterscheiden von den so genannten Graduiertenschulen, die jetzt im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder an einzelnen Universitäten geschaffen werden. Graduiertenschulen gehen über das Konzept eines Forschungsverbundes zu einem speziellen Thema hinaus. Sie sollen das wissenschaftliche Profil einer Hochschule schärfen, widmen sich übergeordneten Fragestellungen und integrieren außeruniversitäre Einrichtungen ebenso wie bereits bestehende Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbreiche (SFBs) mit ihren Doktorandengruppen. Im Oktober 2006 wurde deutschlandweit die Finanzierung von 18 Graduiertenschulen bewilligt, darunter jeweils eine an LMU (Graduate School of Systemic Neurosciences) und TU (International Graduate School of Science and Engineering).